Am rechten Rand

Hochschulprojekt · Editorial Design · 2014

Die Aufgabe

Die Arbeit »Am rechten Rand« entstand im Kurs Editorial Design, der unter dem Schlagwort »extrem« stand. Jeder Student sollte ein Printprodukt entwickeln, welches sich in den Rahmen des »Extremen« fassen lässt. Dabei konnte entweder der Inhalt Extremes beleuchten oder die Darstellungsweise extrem sein. Die Wahl des Mediums, das Format, die Typografie, die eventuelle Nutzung von Illustrationen oder Fotografien, etc. waren freigestellt.

 

 

Der Weg zur Idee

Rechtes Denken taucht in vielen Ausprägungen und Facetten auf. Es gibt rechte Gesinnungen unter Hausfrauen, Geschäftsmänner, Erwachsene, Lehrer, Jugendliche, Immigranten, …. Manche geben ihre Meinung öffentlich preis, andere verstecken sie hinter dem Deckmäntelchen »Ich bin nicht gegen Schwarze / Juden / Muslime, aber …«. Die Message »Nazis sind scheiße« greift da meist nicht weit genug, um für Aufklärung zu sorgen.

Mit meiner Arbeit habe ich ein Konzept für ein Magazin entwickelt, mit dem über eben diese verschiedenen rechten Gruppierungen und Strömungen berichten werden soll; um deutlich zu machen, dass nicht nur »Springerstiefel tragende Glatzen« Nazis sein können und die Aufmerksamkeit der Leute für rechte Struktur zu schärfen.

 

 

Das Konzept

»Am rechten Rand« soll ein Magazin (halbjährig) in Form eines Booklets sein, welches die aktuelle, rechte Szene in Deutschland anhand von jeweils vier Teilthemen beleuchtet und dokumentiert. In dieser Ausgabe sind die Themen »Frauen am rechten Rand«, »Kleidung am rechten Rand«, »Musik am rechten Rand« und »Filmen am rechten Rand«. Mögliche weitere Themen sind »[Familie, Kinder, Kameradschaften, Literatur, Wahlen, Internet, Städte, die Grauen Wölfe, Medien, die vegane Szene, Tiere] am rechten Rand«. Die Texte sind verschiedenen Gattungen entnommen (Zeitungsartikel, Interview, wissenschaftliche Abhandlung) und von Autoren aus verschieden Bereichen geschrieben (z.B. Wissenschaftler, Journalisten).

 

 

 

Die Gestaltungsprinzipien

Schnell stellte sich die Frage, wie ein Booklet zu einem Thema, wie der rechten Szene zu gestalten ist, bei dem man eine Ästhetisierung vermeiden möchte. Positive Emotionen durch ein »hübsches« oder »cooles« Layout sollen bei diesem Thema vermieden werden. Es wird eine Gestaltung notwendig, die das Thema angemessen und spannend vermittelt, gleichzeitig aber eine Distanz aufbaut, die beim Leser eine »ungemütliche« Grundstimmung verursacht. Dazu habe ich negative Assoziationen, welche mit der rechten Szene verbunden werden, zu drei Gestaltungsprinzipien zusammengefasst. Diese sind:

 

Schwarz-Weiß(-Denken)

Schwarz-Weiß-Denken meine ich hier sowohl im übertragenen als auch im wörtlichen Sinn. Bei rechter Ideologie geht es darum, dass bestimmten (Rand-) Gruppen die Schuld für bestimmte Missstände zugeschoben bekommen. Es werden unreflektiert stereotype Feindbilder angewandt. Die weiße Rasse ist gut. Wer schwarz, jüdische, muslimisch, homosexuelle, … kurz gesagt wer anders ist, ist für das Übel dieser Welt verantwortlich. Jeder der gesellschaftliche und kulturelle Vielfalt bzw. »Farbigkeit« mit sich bringt, ist in der rechten Ideologie nicht willkommen. Schwarz-Weiß-Denken ist bezeichnend für Rassismus und Rechtsradikalismus und soll daher in der Gestaltung des Booklets aufgegriffen werden.

 

Monotonie und Eintönigkeit

Mit dem Nationalsozialismus und dem Rechtsextremismus steht ein Bild von marschierenden Menschenmassen in Uniformen in Verbindung – niemand darf anders sein, keiner darf aus der Reihe tanzen, Individuen sind nicht zulässig. Dadurch wird Vielfalt verhindert und Monotonie, Gleichförmigkeit und Eintönigkeit erzeugt.

 

Starrheit und Schwere

Hiermit ist die Starrheit im Denken gemeint. Die starre Mauer aus Abneigung und Hass allem Gegenüber, was anders ist; die alle logischen Argumente und positiven Erfahrungen mit z. B. Ausländern oder Homosexuellen abblockt und nur das durchlässt, was in das eigene Weltbild passt. Obwohl es einen modernen Rechtsextremismus gibt, bezieht sich auch dieser starr auf die alten Prinzipien des Nationalsozialismus. Mit dieser Starrheit kommt auch die Schwere. Das Gefühl, von schweren rechten Strukturen, die das Individuum erdrückt, und die den Menschen unbeweglich im Denken macht.

Diese Prinzipien habe ich auf verschiedene Weise in dem Booklet umgesetzt. Am schwierigsten war dabei das Prinzip der Monotonie, denn es galt das Layout nicht so monoton zu gestalten, dass der Leser den Lese»spaß« verliert; es musste die Waage gehalten werden zwischen Gestaltungsprinzip und Lesefreundlichkeit. Hinzu kommt ein viertes Gestaltungsprinzip, welches vermeiden soll, dass die rechte Denkweise durch dieses Booklet eine ästhetische Aufwertung erfährt:

 

Verzicht auf gestalterische Aufwertung

Mit diesem Prinzip ist gemeint, dass auf all die Gestaltung verzichtet werden soll, die dem Booklet und dadurch dem Thema eine ästhetische Aufwertung geben. Beispiele sind eine aufwendige und besondere Bindung, veredelnde Drucktechniken oder exklusive Papiere. Das Booklet soll ohne große Effekte auskommen und kein sensationelles Layout aufweisen, sondern sachlich bleiben, Hochglanz vermeiden und einer Dokumentation ähneln. Doch auch hier gilt es wieder die Waage zu halten, denn natürlich soll das Booklet, trotz des Prinzips, eine Gestaltung und Haptik aufweisen, die den Inhalt des Textes unterstützt, die Leute dazu bewegt, sich das Booklet genauer anzusehen, sich mit dem enthaltenen Thema zu beschäftigen und die Texte komplett durchzulesen.

 

 

Typografie

Es liegt bei diesem Thema nahe, eine gebrochene Schrift als Textüberschrift zu wählen. Ich wollte jedoch eine klischeehafte und ästhetisierende Gestaltung vermeiden und habe mich deswegen gegen gebrochene Schriften entschieden. Stattdessen wählte ich die Kelly Slab, die durch ihre eckig-geometrische Form an die rechte Symbolik und Runen erinnert und durch ihre klotzig und wenig gefällige Anmutung in den Vordergrund tritt.

Da die Texte sachliche Informationen vermitteln, habe ich eine Fließtextschrift ausgewählt, die genau diese Sachlichkeit kommuniziert, die sich selbst zurück nimmt und in langen Texten gut lesbar ist. Die Groteskschrift Source Sans bildet durch ihren offenen und reduzierten Charakter ein typografisches Gegengewicht zur Kelly Slab.

Weitere Arbeiten von Kommilitonen, die im Rahmen des Hochschulunterrichts entstanden sind, findet ihr auf laborkontor.

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